BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN

Kreisverband Nienburg

Zur Situation der Flüchtlinge im Landkreis – Wohnraum gesucht

„Wohnraum für Flüchtlinge wird auch in unserem Landkreis dringend gebraucht, denn die Zahlen der Flüchtlinge steigen. Wir appellieren an die Kommunen, weiterhin alles daran zu setzen, um ausreichenden Wohnraum zu beschaffen, aber auch an die Bevölkerung, Wohnraum zur Verfügung zu stellen!"

Mit diesem dringenden Appell weist der grüne Kreisverband, der sich in seinem kommunalpolitischen Arbeitskreis (AKKP) kürzlich zum Thema „Situation der Flüchtlinge in unserem Landkreis" informiert hatte, auf die mangelnde Wohnraumsituation hin.

Katrin Rothaupt vom Fachdienst Ausländerwesen und Nazli Bayrak, Integrationsbeauftragte des Landkreises, hatten dem Arbeitskreis von der Lage vor Ort berichtet. „Wenn wir vom Land Zuweisungen von Flüchtlingen bekommen, müssen wir sie innerhalb von maximal 7 Tagen unterbringen", so Rothaupt. Dieser kurze Zeitraum stelle die Behörde vor große Herausforderungen.

„Viele Antragsteller stammen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, dem ehemaligen Jugoslawien, aber auch aus verschiedenen afrikanischen Staaten", so Bayrak. 226 Menschen seien es in diesem Jahr bisher. Im Vergleich: 2012 gab es 89 Zuweisungen, 2013 waren es 154.

Wie kommen die Asylbewerber in den Landkreis? Das Land Niedersachsen nimmt nach einem bundesweiten Verteilschlüssel (Königsteiner Schlüssel), der jährlich neu berechnet wird, rund 10 % der Asylbewerber auf. Die werden dann nach Bevölkerungszahlen auf die Landkreise verteilt, die wiederum verteilen nach Bevölkerungszahlen und Möglichkeiten der Unterbringung auf die Kommunen.

Helge Limburg, MdL, berichtete, dass die Situation in den Erstaufnahmelagern Friedland, Bramsche und Braunschweig aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen schwierig sei. Dies sei ein Grund für die oft sehr kurzfristige Zuweisung von Flüchtlingen an die Landkreise. Limburg begrüßte, dass die Landesregierung kurzfristig die Kapazitäten für die Erstaufnahme durch neue Einrichtungen in Hildesheim und Osnabrück erweitert habe. Damit wolle man eine zeitliche Entzerrung bei der Verteilung auf die Kommunen erreichen.

„Ziel in Niedersachsen darf es nicht sein, Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen, das erschwert die Integration vor Ort und das Ankommen in der örtlichen Gemeinschaft", so Limburg, „Ziel muss eine dezentrale Lösung sein, bei der die Menschen angesichts der schrecklichen Fluchterfahrungen durch nachbarschaftliches Engagement ein positives Willkommen erleben können. Es ist sehr begrüßenswert, dass der Landkreis Nienburg seit langem auf Unterbringung in Wohnungen setzt!"

Dass der Landkreis mit seiner Integrationsarbeit schon auf einem guten Wege sei, die Belange der Zuwanderinnen und Zuwanderer zu berücksichtigen, stellte Nazli Bayrak vor.

Mit verschiedenen Projekten werden Personen mit eigenem Migrationshintergrund, die neben der deutschen mindestens noch eine weitere Sprache beherrschen, geschult, damit sie Zugewanderten helfen können, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Bei der Ankunft, Orientierung und Unterbringung der Flüchtlinge spielen Integrationsmentoren eine wichtige Rolle. Zurzeit geben 18 zertifizierte Integrationsmentoren und -mentorinnen Hilfestellung in 14 verschiedenen Sprachen. Sie leisten viel für eine geringe Aufwandsentschädigung. „Die meisten von uns leisten ehrenamtlich vielmals mehr als bezahlt werden kann ", so Karim Iraki. Er gab Helge Limburg mit auf den Weg, das Land möge zusätzliche Mittel für die wertvolle Arbeit der Integrationsmentoren zur Verfügung stellen und damit die Arbeit der Landkreise unterstützen.

Abschließend wies Ulrike Kassube, Sprecherin des Kreisvorstands, auf Möglichkeiten hin, Flüchtlingen zu helfen. „Jede Kommune kann sich vor Ort bei erschwinglicher Eigenbeteiligung der Kompetenz des Fachdienstes „Familie und Integration" bedienen. Jede Bürgerin, jeder Bürger kann sich mit Zeit, Zuwendung oder Spenden engagieren. Netzwerke knüpfen kann hilfreich sein."

Dass es dafür schon vorbildliche Beispiele im Landkreis gibt, sei bemerkenswert und zeige, dass Zugewanderte in unserem Landkreis willkommen seien.

(Informationen und Hilfestellung beim Fachdienst Familie und Integration, unter Tel.: 05021/967 687)



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